Der
StartDann nach Amsterdam zum Umsteigen, wo eine Sicherheitsbedienstete sich einfach nicht helfen lassen wollte, einen Motorradtankrucksack zu inspizieren. So viele Reißverschlüsse sind wohl echt bombenverdächtig.
Nach ca. 10,5 Std. Flug haben wir die Schnauze voll vom Fliegen und landen in L.A.
Jetzt noch schnell das Motorrad auslösen. Leider war die Wegbeschreibung zur KLM Cargo falsch. Ich beging den Fehler, zu Fuß dorthin zu gehen . 1. War es zu warm und 2. zu weit. Als ich dann dort ankam, hatte ich sinnigerweise den Motorradschlüssel bei Birgit am Flughafen zurückgelassen. Für den Rückweg entdeckte ich aber einen free shuttle-bus (Parkinglot B). Damit lief der Transfer dann super und kostenlos. Das Motorrad auslösen kostete nochmal 10 $ und man mußte noch einen Zollstempel im selben Haus besorgen. Alles jedenfalls kein Problem, schnell noch das nächstbeste Motel angesteuert und nur noch gepennt.
First
DayDer erste Outletstore erwischt uns sofort am Wegesrand und schon ist unser Gepäck bereits am ersten Tag wieder um ein paar Kleidungsstücke gewachsen.
Nach gut 420 km erreichen wir Las Vegas in Nevada. Wichtig ist hier, daß man nicht am Wochenende hier aufläuft. Dann nämlich verdoppeln sich auf einmal die Zimmerpreise, falls man überhaupt noch eins bekommt. Wir haben Glück, es ist Dienstag und nisten uns im Stardust ein.
Nach einer gewissen Zeit der Aklimatisierung wagen wir uns mal ohne Moped aufs heiße Pflaster Las Vegas. Für eine Stadt in der Wüste verschwenden die hier eine gewaltige Menge Wasser für Außenbecken und Showteiche. Alles in allem ziemlich bunt und verrückt. Das ganze Kaff sieht eigentlich aus wie eine große Baustelle, ständig baut jemand noch ein größeres Casino. Überall versucht man die Leute mit Midnight Specials Dinners und so`n Quatsch in die Spielhöllen zu locken. Irgendwie kommen wir aber nicht zum Zuge, essen etwas bei Denny´s und fallen noch vor Mitternacht halb tot ins Bett.
Wir machen uns auf, durch nun etwas interessanter werdende Wüstenregionen zum Hoover Dam. Dies ist ein riesig hoher Staudamm, der den Colorado staut und ein Kraftwerk enthält. Von hier aus fließt ein Haufen Strom nach Las Vegas und L.A. Es gibt die Möglichkeit, die Staumauer mit ihren Turbinen von innen und von unten zu sehen. Sollte man die Zeit dazu haben, ist dies auch ganz interessant. Von unten wirkt die Staumauer noch gewaltiger. Nach der Staudammüberquerung sind wir plötzlich in Arizona und haben die erste Zeitzone überschritten.
Danach führt ein Wüstenhighway durch
die unendlich erscheinenden Wüstengegenden. Mit Licht soll man hier
fahren, und don't drink and drive und fahr nicht so schnell, sind hier
die Messages am Straßenrand. Die Unendlichkeit dauert so bis Seligman
an, hier beginnt ein langes Teilstück der Route 66, die wir uns natürlich
nicht entgehen lassen wollen.
Zunächst ist die Route 66 auch nichts anderes als ein anderer Highway auch, 2 Spuren immer geradeaus. Neben uns fährt längs der gesamten Strecke der Santa Fee Express. Es ist schon recht imposant, diese superlangen Züge zu beobachten. 150 Waggons und 4 Zugmaschinen sind keine Seltenheit. Wenn das Ende an einem vorbei gezogen ist, sieht man in der unendlichen Weite den Anfang schon nicht mehr. Die Route 66 verläuft durch Indianerreservate, die durch Zäune und Schilder vom Highway abgetrennt sind. Irgendwann endet die ausgebaute Straße in einem Ort, mit einem historischen Kern (soweit man die Route 66 Holzbuden Kern nennen kann). Bevor man nun die Bahnlinie unterquert, muß man irgendwo abbiegen, wo man glaubt, hier geht nur noch ein Feldweg weiter. Jetzt ist man auf einem ganz alten Teilstück der Routen. Der Straßenbelag ist zum Teil rot und total rissig, es erobert die Natur auch schon den Asphalt zurück. Überall wachsen Blumen aus dem Asphalt. Hier finden wir es so richtig toll. Wir können mitten auf der Fahrbahn halten und Fotos schießen, hier stört uns keiner. Die Route ist hier absolut autofrei und sieht genauso aus, wie ich sie mir immer vorgestellt habe.
Gegen Abend wird es empfindlich kühl, und wir kehren in ein Motel in Williams ein. Dieses Örtchen ist das letzte mit günstigen Motels vor dem Grand Canyon. Allerdings besteht es auch nur aus Motels. Ach ja eine historische Dampfbahnlinie gibt's auch noch.
Von Williams zum Grand Canyon fährt man so ungefähr 1- 1,5 Stunden, gemütlich versteht sich. Wenn man dann am Rande der Schlucht ankommt, verschlägt's einem erst mal die Sprache. Wie müssen sich die ersten Planwagenfahrer gefühlt haben, die vor dieser riesigen Erdspalte standen und nicht weiter kamen? Dann ging es los, erst mal Erkundigungen zum Übernachten im Canyon einholen. Logisch: Auf der zur Übernachtung vorgesehenen Phantom Ranch unten am Colorado ist ca. 5 Monate alles ausgebucht, an eine Permit ist also nicht zu denken. Obwohl überall davor gewarnt wird, nehmen wir uns vor, am nächsten Tag in den Canyon hinab und wieder aufzusteigen. Dann nehmen wir uns wie die anderen Touris die Aussichtsplattformen und Parkplätze vor. Jeder Blick ist breathtakend. Zu Abend suchen wir uns im Kaibab National Forest ein geeignetes Zeltplätzchen. Wenn man nicht mehr als 0,5 Meilen von der Straße weg campiert, ist dies hier erlaubt (und vor allem kostenlos). Nachts frieren wir uns den A.... ab und sind deshalb morgens einigermaßen gerädert.
Wandern war angesagt. Das Gepäck kann man am Visitorcenter abgeben, das kostet so um die 3 $. Von dort aus geht ein Bus, der einen zum Abstiegspunkt bringt. Hoch kommt man (wenn man es überlebt) dann direkt am Visitorcenter. Wichtig ist, man darf sich nicht überschätzen, man darf so eine Wanderung nicht im Hochsommer versuchen und man muß genügend Trinkwasser mit sich führen. Wasser hatten wir ca. 7 Liter und es war Oktober. Die Wanderung war dann auch einmalig. Der Canyon gibt seine ganze Größe und Schönheit erst wieder, wenn man ihn erwandert. Nach jeder Kurve eine andere schöne Perspektive und ein neuer boah ei Effekt. Nach 3 Stunden Abstieg erreichten wir den Colorado River. Von den oben am Southrim gefühlten 10 Grad sind hier unten knapp 30 Grad geworden. Ein Fußbad im Fluß schafft Abkühlung. Bei der Wanderung überqueren wir den Fluß 2 mal über 2 Hängebrücken.
Der Aufstieg war auch sehr schön, man
durchwandert jahrmillionen von Erdgeschichte und jede Menge Gesteinsschichten.
Blöd nur, daß man ab einem bestimmen Punkt immer hofft , daß
die Gesteinsschicht, die nun vor einem liegt, doch nun der obere Canyonrand
sein möge. Was soll ich sagen, die letzten 1,5 Meilen bin ich dann
doch mehr auf dem Zahnfleisch hochgekrochen. Nach weiteren 5 Stunden waren
wir dann oben und hatten unheimlichen Respekt vor der Felsspalte. Leider
mußten wie noch über 100 km fahren, um ein Motel zu finden,
welches noch ein Plätzchen frei hat. 100 km sind eben in den USA keine
Entfernung. Wir hatten uns angewöhnt, immer für ca 200-250 km
Sprit im Tank zu haben. Nichts ist ätzender, als ohne Sprit mitten
in der einsamen Wüste von Geiern, Rattlesnakes und Skorpionen umkreist
zu werden.
(Zum Grand Canyon N.P.)
Monument
Valley; Valley of the godsUnser eigentliches Ziel ist der Mesa Verde
National Park. Der Park liegt wieder mal auf einem Hochplateau. Der Weg
dorthin ist wunderschön und kurvenreich. So eine richtige Motorradstrecke,
die anscheinend auch von einigen amerikanischen Motorradfahrern gerne genutzt
wird. Wohnwagenanhänger sind hier übrigens nicht zugelassen,
so daß man keine Angst haben muß, mit einer solchen Pommesbude
zu kollidieren. Der Park an sich ist auch sehenswert, wenn man denn mal
nach dem Kurvenrausch das Bike abgestellt hat. Was gibt's hier zu sehen?
Mesa Verde sind uralte mehrstöckige Wohnbauten, die Nischen im Fels
ausfüllen. Das ganze auch noch in ca. 600m Höhe über dem
Montezuma Valley. Es lohnt sich allemal, sich hier genauer umzusehen. Am
besten erst mal in das Visitorcenter und eine Besichtigung für das
Cliff Palace buchen, dies ist die größte Indianersiedlung im
Park. Nach unserem ausgiebigen Besuch dürfen wir die wunderschöne
Motorradstrecke zurückfahren. Das Laub leuchtet in der Abenddämmerung
wunderschön herbstlich goldgelb. Und dann ein Motel in Cortez gesucht.
Unser Motorradcheck verlief an diesem Abend negativ: Die zentrale Lenkkopfmutter
hatten wir irgendwo in der unendlichen Weite des mittleren Westens verloren.
Schade eigentlich.
( Mesa Verde N.P.)